DDQT-Ethikrichtlinien für die Taijiquan-Qigong-Szene Deutschlands

Die DDQT-Ethikrichtlinien für Taijiquan und Qigong in Deutschland

Autor: Dr. Stephan Langhoff, DTB-Arbeitskreis "Ethik und interkulturelle Normen" info@tai-chi-zentrum.de .

DDQT-ETHIKRICHTLINIEN - DTB-Info zu Standards im Taijiquan und Qigong in DeutschlandSeit der Einführung der "DDQT-Ethikrichtlinien" als eine Art "Berufsethos" im Jahre 2011 gibt es Kritik. Ist die DDQT-Ethik als Ergänzung oder Alternative zu traditionellem "WUDE (Martial Virtue)" überhaupt praktikabel? DTB-Experten verneinen dies und weisen auf die Kern-Problematik hin: Was in der Theorie als einigender Kitt und Fanal neuer Gemeinsamkeit konzipiert war, erweist sich in der praktischen Umsetzung als ein Minenfeld. Und in der Tat: Die anvisierte Transparenz und Professionalität traten nicht ein. Unterm Strich gilt: Auch die DDQT-Ethik hat das Schwinden der Reputation der Taijiquan-Qigong-Szene nicht aufhalten können.

Anfragen bzgl. der Ethik-Vorgaben des DDQT erreichen auch den Qigong-Dachverband Deutschland ev (QDD); dies ist bemerkenswert, weil für deren Klärung natürlich formal einzig der DDQT-Dachverband zuständig wäre. Traut man dort den hauseigenen Experten, Gremien und Ausschüssen die propagierte Zielvorgabe von Professionalität und Transparenz nicht zu?

Zudem geht es natürlich auch um grundlegende moralphilosophische Aspekte, die das notwendige Zusammenspiel von Tradition und Anpassung betreffen. Wie soll man umgehen mit dem Widerstreit östlicher und westlicher Wertvorstellungen. Hier bilden interkulturelle Kompetenzen eine große Herausforderung - zumal in den Netzwerken, Foren und dergleichen oft ganz unterschiedliche Weltbilder propagiert werden.

Solches "Berufsethos" mit Leben zu erfüllen ist kein leichtes Unterfangen sondern gleicht einer wahren Sisyphus-Aufgabe. Dazu muß es ja auch gehören, Verstöße konsequent zu ahnden. Hier bietet sich der QDD in Kooperation mit dem DTB-Zentralverband an als Anlaufstelle, die mit Rat und Tat weiterhelfen kann. Entscheidend für Ernsthafte sollte hier Ideologie-Freiheit und Abgrenzung sein.

DDQT-Ethikrichtlinien auf einen Blick

Die sogenannten "DDQT-Ethikrichtlinien" stellen der vielgestaltigen DDQT-Community ein verbindliches Reglement bereit, das unterscheidet zwischen "richtig und falsch" oder "gut und böse". Als moralische "Guidelines" wurden 2011 passgenaue Statuten aus der Taufe gehoben. Das ambitionierte Szene-Projekt sollte u. a. "professionelles Handeln" in Aus- und Fortbildung sicherstellen.

Die Statuten verpflichten als schriftlich fixierte Handlungshilfe auf einen gemeinsamen inneren Kompass. Sie sollen ohne Ausnahme gelten für alle DDQT-Mitglieder - u. a. für Anbieter von Lehrveranstaltungen und Lehrende. Sie sollen dafür sensibilisieren, ethisches Verhalten auch in der Aus- und Weiterbildung zu vermitteln. Die Richtschnur solcher moralischen Normen betrifft eine Vielzahl von Ressorts; das Programm ist veröffentlicht auf der DDQT-Website https://ddqt.de/ :

"Die Grundhaltung im Umgang miteinander ist gekennzeichnet durch Achtung, Respekt, Wertschätzung und Aufrichtigkeit gegenüber jeder Person, unabhängig von Alter, Geschlecht, ethnischer Herkunft, Kultur, Status, sexueller Orientierung, Weltanschauung und Religion sowie den jeweiligen Methoden und Arbeitsansätzen".

Meldungen über Konfliktpotenzial reichen weit über die DDQT-Mitgliedschaft hinaus und die Abwärtsspirale ist leicht erkennbar. Auch daher gehen immer mehr Einrichtungen auf Distanz. Und in der Tat wären Verwechslungen nicht wünschenswert.

Der Qigong-Dachverband Deutschland ev (QDD) grenzt sich ab

Die QDD-Expertise ist international bekannt. Das Institut bietet zusammen mit der DTB-Akademie bundesweit Ausbildungen für Lehrende des Qigong und Taijjiquan. Seine Dozenten sind überprüft von den Krankenkassen und unterrichten  regelmäßig in der "ZPP-Lehrerschmiede Deutschland".

Der QDD ist Gründungsmitglied der fach-übergreifenden Dachorganisation DTB ev. Beide Institutionen sind gemeinnützig und stehen zum DDQT in keinerlei Beziehung. Dessen Statuten und Bestimmungen zur Ethik sind nicht anerkannt. Gleiches gilt für Gütesiegel, Ausbildungsordnung und AALL (Allgemeine Ausbildungsleitlinien).

Die Kriterien des DDQT für sein Berufsbild sollte man nicht verwechseln mit dem westlich orientierten professionellen DTB-Lehrerprofil. DTB-Qualitätsstandards "Geprüfter Lehrer DTB" sind bundesweit einheitlich vorgegeben im DTB-Modulhandbuch der ZPP-Lehrerausbildungen. Die Quote der ZPP-Zulassungen für Krankenkassen beträgt einhundert Prozent!

Satzungsgemäß ist der QDD ev als Sachwalter für Qigong in Deutschland beauftragt mit Förderung und Verbreitung dieser chinesischen Gesundheitsübungen.  Häufig reicht die Übe-Praxis vieler Qigong-Treibender hinein in spirituelle Bereiche des Erlebens und Seins (siehe den Artikel Spiritualität und Qigong). Auch auf diesem Gebiet setzt sich der Dachverband dafür ein, nicht Vertretern von Heilslehren das Feld zu überlassen.

Etwaige Mängel und Defizite bzgl. Verantwortungsbewußtsein oder bzgl. Ethik / Moral sollten vermieden werden. Auch hier ist es begrüßenswert, daß der Vdek nun eigene, westliche Kriterien einfordert - welcher Versicherter von Krankenkassen möchte schon von einem Qigong-Guru indoktriniert werden? In China gilt vielen der Titel "Qigong-Meister" heutzutage als Schimpfwort - aufgrund der zahlreichen Betrügereien mit angeblichen Heilungen.

Die Interessensvertretung DDQT und die Taijiquan-Qigong-Szene

DDQT Ethikrichtlinien für Fachorganisationen des Taijiquan und QigongDTB-Geschäftsführer Dr. Langhoff grenzt sich ab vom DDQT-Handlungsleitfaden und erklärt dies mit Vorträgen im Rahmen der DTB-Lehrerausbildungen. Die DDQT-Ethikleitlinien sind theoretisch sicher ein ebenso begrüßenswertes wie notwendiges Unterfangen besonders im Hinblick auf Vertrauen, Verantwortung und Glaubwürdigkeit. Jedoch lauerten von anfang an unter der Oberfläche komplexe Spannungsfelder der Verbände-Politik; etliches blieb ungeklärt und in der Öffentlichkeit warf die praktische Umsetzung - bzw. die Nicht-Umsetzung - des öfteren Fragen auf. Mit solchen Multimedia-Darbietungen sind die Hintergründe auch für Laien gut verstehbar.

Der "DDQT (Deutscher Dachverband für Qigong und Taijiquan)" hat in seiner zwanzig-jährigen Geschichte neben Höhen auch etliche Tiefen durchlebt. Entsprechend ist die aktuelle Bilanz:

  1. Der Anspruch der Lobby-Vereinigung, unter ihrem Dach allen Praktizierenden des Qigong und Taijiquan ein gemeinsames Zuhause zu bieten, erfüllte sich nicht.
  2. Die beabsichtigte Vertretung der Taijiquan-Qigong-Szene war nach dem Austritt der wichtigsten Gründungsmitgliedern nicht mehr erreichbar.
  3. Allgemeine Ausbildungsordnung (AO) und Allgemeine Ausbildungsleitlinien (AL) genügen nicht mehr für Kassen-Zulassung.

Der DDQT wurde 2003 als Interessensvertretung einer vielfältigen Qigong und Taijiquan Szene gegründet. Charakteristisch war die Leitlinie „soviel Struktur wie nötig – so wenig Struktur wie möglich“. Die DDQT-Ethikrichtlinien bieten seit 2011 zusammen mit Satzung und Leitbild eine allgemeine Orientierungshilfe nach innen wie nach außen. Dies ist zumindest theoretisch konzipiert - die De-Fakto-Umsetzung ist davon bekanntlich weit entfernt.

Und die hausgemachten Spannungen nahmen stetig zu. Nach Abspaltungen, Kündigungen und Austritten vertritt der DDQT heute nur relativ wenige Lehrende. Zudem hat die Taijiquan-Qigong-Szene immer mehr an Glaubwürdigkeit und Vertrauen eingebüßt. Qualitätsstandards der Szene gleichen einem Flickenteppich. Alle ihre Fachorganisationen wurden kürzlich aus dem ZPP-Leitfaden entfernt - ganz wie es der DTB-Zentralverband empfohlen hatte.

DTB-Geschäftsführer Dr. Stephan Langhoff sagt: Die übergeordnete DDQT-Zielsetzung war es, die öffentliche Wahrnehmung seiner Klientel gemäß den Szene-Vorstellungen zu verbessern und darüberhinaus dem DTB zu schaden. Beides konnten die Lobbyisten nicht umsetzen - und mehr noch: Nach der "Kehrtwende der Krankenkassen" muss die Szene sich selbst nun neu erfinden.

Der DDQT-Moralkodex - Kitt oder Sprengstoff ?

Bekanntlich folgt ein Teil der Mitglieder der traditionellen Kultur des "Wude-Moralkodex" chinesischer Lehrmeister. Deren Anspruch auf Deutungshoheit und Politische Korrektheit basiert auf Loyalität und Gehorsam. Die Entwicklung eigenständiger Meinungen ist stark eingeschränkt. Zudem erhalten Adepten chinesische Namen und sind einer subtilen immerwährenden Indoktrination ausgeliefert. Interessenskonflikte sind hier vorprogrammiert - insbesondere bei den international tätigen Lobby-Verbänden von Heilslehren.

Zudem sind zahlreiche Mitglieder künstlerisch-kreativ ausgerichtet - ihre Studios und Akademien mit "Qi-Welten" und "Universen" sind nicht dafür bekannt, sich moralischen Direktiven zu beugen. Ihr Spielplan folgt dem New-Age-Motto "Tai Chi and Qigong are what I want it to be" in immer neuen Ausprägungen von "Des Kaisers Neue Kleider".

Ethik in den DDQT-Gremien - Dr. Langhoff über das "Ganze Bild"

DTB-Geschäftsführer Dr. Stephan Langhoff stellt die DDQT-Ethik in den größeren Kontext der DDQT-Programmatik: Die DDQT-Lobbyisten sollten im Wettstreit mit wissenschaftlichen Ansätzen fachlich-nüchtern mit Argumenten aufwarten. Wenn sie stattdessen gegen ihren eigenen Moralkodex verstoßen bei ihren Versuchen, die Qualifikation "mißliebiger" Institutionen infrage zu stellen, so sagt dies mehr aus über die Personen als über die Sache selbst.

Die "Klossow-Kampagne" mit den Medien-Aufrufen ist ja auch insofern pikant, als sich früher DDQT-Mitglieder, darunter sogar ein Ex-Vorstand, "in eigener Sache" an mich gewandt haben mit dringenden Bitten um Hilfestellung bei der ZPP-Zulassung (!). Nun ist sogar der langjährige DDQT-Vorstand Angela Menzel enttäuscht und frustriert ausgetreten - mit expliziten Hinweisen auf fehlende Moral und charakterliche Eignung. All dies ist aufschlußreich - nicht nur für die Szene, sondern auch für mich und die Öffentlichkeit.

Das Verbot von Indoktrination in DTB-Schulen

Auf ethisch-moralischem Terrain spielen auch weitere komplexe Bereiche eine Rolle. Man denke nur an das Risiko von Indoktrination. Lehrer-Ausbildungen im DTB-Dachverband umfassen auch das sogenannte "Überwältigungsverbot": Lehrende werden sensibilisiert für das Problem von Indoktrination und für die Wichtigkeit von freier Meinungsbildung. Damit grenzt sich der DTB ab vom WUDE-Moralkodex, der in der Taijiquan-Qigong-Szene auch heute noch weit verbreitet ist. Diese traditionellen Vorgaben verpfllichten auf Gehorsam und Loyalität.


 

Updates

2022: Neue Ausbildungsordnung / Ausbildungsleitlinien (AO und AL) des DDQT

Die neue Qualitätskontrolle der Krankenkassen hat auch weitreichende Konsequenzen für Ausbildungsinstitute, Schulen und Lehrende unter dem Dach des DDQT. Auf der Jahreshauptversammlung am 18.09.2022 wurde die neue Ausbildungsordnung zusammen als eine Gesamt-Fassung zusammen mit den neuen Ausbildungsleitlinien (AO/AL) beschlossen und kann schrittweise umgesetzt werden. Die geänderten Statuten beinhalten die neuen Vorgaben für Taijiquan und Qigong.

2022: DDQT-Gütesiegel

Ein wichtiges Novum: Es gibt künftig zwei Gütesiegel für ganz unterschiedliche Zielsetzungen: ohne und mit ZPP-Modulen. Unterrichtende (Kursleiter, Lehrer und Ausbilder) erhalten zusammen mit der Bezahlung des Mitgliedsbeitrags das DDQT-Gütesiegel für ein Jahr. Der Nachweis von 30 Stunden Fortbildung (Vertiefung der Ausbildung) muss alle vier Jahre erneuert werden. Wer die von der ZPP geforderten Zusatzmodule absolviert hat, kann ein weiteres Gütesiegel bekommen, dass diese Zusatzmodule beinhaltet.

Was bedeutet die moralische Ebene für die Fachbereiche?

Siehe Dokumentation des Wissenschaftlichen Beirats. Mehr dazu auch hier: Ethikrichtlinien des DDQT für die Taijiquan-Qigong-Szene.

Grundsätze für die Sparte Taijiquan

Ethik / Moral für Qigong 1

Qigong-Praktizierende sind besonders sensibel, wenn es um moralische Ansprüche in der Szene geht. Qigong hat eine grundlegende Beziehung zu spirituellen Aspekten (siehe dazu das Dossier Qigong und Spiritualität. Viele möchten ihrem Lehrer Respekt und Vertrauen entgegenbringen und sind aufgeschreckt durch chinesische Berichte über angebliche Qigong-Meister, die sich als Scharlatane entpuppten. Gurus als Qigong-Lehrer wünschen sich wohl die wenigsten.

Grundsätze für die Sparte Qigong

Wer sich für dieses Spannungsfeld interessiert, wird die DDQT-Richtlinien mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen. Viele haben bemerkt, daß der Krankenkassen-Verband Vdek seine Prüfverfahren für Qigong-Lehrende weiter verschärft hat und außerdem Szene-Organisationen aus dem ZPP-Leitfaden entfernt hat. Für die Zukunft sind damit Transparenz und Teilnehmerschutz verbessert worden. Dies wiederum mindert die Gefahr, daß Lehrende Esoterik, Okkultismus oder selbstgebastelte "Qi-Welten" an Laien weitergeben.


Anmerkungen

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Die Hintergründe sind bereits an anderen Stellen beschrieben und bewertet. Vgl. auch Ethikrichtlinien des DDQT für die Taijiquan-Qigong-Szene.